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Zusatzbeleuchtung für Pflanzen in der Überwinterung

Pflanzenbeleuchtung erscheint mir grundsätzlich ein unbeschriebenes Blatt im Hobby-Gartenbereich zu sein.
Tatsächlich findet man kaum hilfreiche Informationen dazu, egal, ob man im Internet oder im Gartenfachmarkt sucht.
Hier nun der Versuch, mit einfachen Worten das Wesentlichste zum Thema Zusatzlicht für Pflanzen in der Überwinterung niederzuschreiben.

Palmen Plumeria Bananenstauden

Warum benötigen manche Pflanzen zusätzliches Licht im Winter?

Diese Frage lässt sich relativ einfach erklären:

  1. Jede Pflanzen braucht Licht, um Photosynthese betreiben zu können. Aus der Photosynthese zieht sie -vereinfacht ausgedrückt- die Energie und Nährstoffe, die sie zum Leben benötigt. Kann eine Pflanze keine Photosynthese betreiben, so kann dies zu lebensbedrohlichen Mangelerscheinungen führen. Schlicht gesagt, sie verhungert.

  2. Fast alle Pflanzen leben in einem jährlichen Zyklus von Vegetationsperiode und Vegetationsruhe. Dieser findet in Abhängigkeit von den Jahreszeiten statt. Übersetzt heißt dies, Pflanzen gehen im Spätherbst oder am Anfang des Winters in eine Ruhephase. Bei den meisten Pflanzen beginnt diese, wenn die Tagestemperaturen längerfristig unter +5°C sinken. In dieser Vegetationsruhe betreibt die Pflanze garnicht oder nur sehr eingeschränkt Photosynthese und wächst nicht. Manche Pflanzen (viele mehrjährige Stauden) ziehen sich in dieser Zeit sogar komplett unter die Erde zurück und überdauern in ihren Speicherorganen oder Wurzeln bis die Temperaturen langsam wieder steigen.

    Auch in diesem Fall sind +5°C wieder die magische Grenze für die meisten Pflanzen. Klettern die Tagestemperaturen längerfristig über diese +5°C, so beginnen die Pflanzen wieder mit dem Wachstum und bilden neue Blätter aus. Gleichzeitig werden die Tage länger und die Intensität und Länge der Sonnenbestrahlung nimmt langsam wieder zu. Wie immer ist die Natur wunderbar eingespielt und aufeinander abgestimmt.

  3. Wie und wann eine Pflanze ihre Vegetationsruhe nimmt, hängt davon ab, wo ihr ursprünglicher Lebensraum ist und wie sich das Klima dort verhält.
    Man kann die Erde grob in vier Klimazonen einteilen: Tropen, Subtropen, gemäßigte Zone und kalte Zone. Alle Pflanzen, die ursprünglich in der kalten, der mittleren oder der subtropischen Zone beheimatet waren, machen eine jahreszeitlich abhängige Wachstumspause. Zur kalten Jahreszeit stellen sie also das Wachstum ein. Auch die Pflanzen der Tropen machen in aller Regel irgendwann Vegetationsruhen. Nur stehen diese weniger im Zusammenhang mit sinkenden Temperaturen oder Mangel an Licht, sondern eher mit Regen- oder Trockenzeiten oder ähnlichen klimatischen Besonderheiten.
    Da viele unserer heutigen Zimmerpflanzen ursprünglich aus den Tropen stammen, benötigen diese bei uns in der Wohnung im Winter zusätzliche künstliche Beleuchtung, da ihnen das Tageslicht in unseren Breiten im Winter nicht ausreicht. Gleiches gilt natürlich auch für tropische Pflanzen im Garten, die im Haus oder im beheizten Gewächshaus überwintert werden müssen.

  4. Künstliche Beleuchtung bei Pflanzen wird natürlich auch immer dann notwendig, wenn man Pflanzen züchten möchte unabhängig von der aktuell vorherrschenden Jahreszeit und dem damit einhergehenden Klima.
    In diesem Fall versucht man die Lebensbedingungen künstlich herzustellen, die eine bestimmte Pflanzenart zum Keimen und/oder Wachsen braucht. Das Betrifft dann Faktoren wie Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasser.


Welches Licht benötigen Pflanzen?

Bei der künstlichen Beleuchtung versucht man das Licht zu immitieren, das die Pflanze in der Natur erhält und nutzt. Dies ist natürlich das Sonnenlicht und damit ein sogenanntes weißes Licht.
Das menschliche Auge nimmt diese Licht als weiß war, in Wirklichkeit besteht es aber aus verschiedenfarbigem Licht mit unterschiedlichen Wellenlängen:

Spektralfarben und ihre Wellenlängen

Farbe Wellenlänge
rot ~ 700 - 630 nm
orange ~ 630 - 590 nm
gelb ~ 590 - 560 nm
grün ~ 560 - 490 nm
blau ~ 490 - 450 nm
violett ~ 450 - 400 nm


Pflanzen benutzen Licht mit Wellenlängen von 400 bis 500 Nanometer und 600 bis 700 Nanometer, also aus dem blau-violetten und rot-orangen Bereich und absorbieren dieses. Deswegen sehen die meisten Pflanzen für den Menschen grün aus, weil diese das grüne Licht reflektieren.
Man muss also bei der Pflanzenbeleuchtung vor allem das blaue und das rote Licht künstlich erzeugen.

Die Kunst ist nun noch, das richtige Mischungsverhältnis von blauem und roten Licht zu finden und die richtige Intensität.
Blaues Licht alleine erhält die Pflanze am Leben. Sie wird aber nicht großartig wachsen oder Blüten entwickeln. Rotes Licht fördert das Wachstum. Würde man aber nur rotes Licht verwenden, so würde die Pflanze massenhaft lange, dünne und schwache Triebe bilden. Man nennt dies auch, die Pflanze vergeilt. Solche Triebe kennt man von Pflanzen, die viel zu dunkel stehen und auf diese Art und Weise versuchen, näher ans Licht zu wachsen.

Man benötigt zur reinen Überwinterung einer Pflanze in der Vegetationsruhe eine Lichtquelle mit hauptsächlich blauem Licht und einem kleinen Anteil an rotem Licht. Im Handel werden spezielle Pflanzenlampen angeboten, die man in der Regel als sogenannte Wachstums-Lampen findet und die diese Anforderungen erfüllen.

Pflanzen, die während der Überwinterung keine Vegetationsruhe einlegen, sondern sich normal weiterentwickeln und blühen sollen, benötigen hingegen einen höheren Anteil an rotem Licht. Diese Pflanzenlampen findet man im Handel als spezielle Pflanzenbeleuchtung für die Blüte.

Die notwendigen Spektralbereiche für die Pflanzenbeleuchtung wurden damit nun erklärt, fehlen noch ein paar Worte zur Beleuchtungsstärke. Diese wird in Lux (lx) gemessen und gibt Aufschluss über die Helligkeit einer Lichtquelle. Mit Hilfe eines Messgerätes -einem sogenannten Lux-Meter- ließe sich die Helligkeit messen. Um die Größeneinheit Lux auch ohne Messgerät etwas durchschaubarer zu machen, schauen Sie sich folgende Tabelle einmal genauer an:



heller Sonnentag 100.000,000 lx
bedeckter Sommertag 20.000,000 lx
im Sommer im Schatten 10.000,000 lx
bedeckter Wintertag 3.500,000 lx
Büro-/Zimmerbeleuchtung 800,000 lx
Kerze aus 1 m Abstand 1,000 lx
Vollmondnacht 0,250 lx
sternenklare Neumondnacht 0,001 lx



Wenn eine Pflanze mit Licht überwintert werden soll, so braucht sie mindestens ein Zusatzlicht zum Tageslicht von 2000 lx. Eine Lampe, die diese Lichtstärke produziert reicht für die Überwinterung aus auf einer Fläche von ungefähr 180 x 180 cm, wenn sie mit einem Abstand von 1 m zur Fläche montiert ist.

Möchten Sie jedoch eine Pflanze in ihrer Wachstumsphase überwintern, so muss ein künstlicher Ersatz für das Tageslicht im Sommer geschaffen werden. Dazu sollten 20 000 lx erreicht werden. Eine Lichtquelle, die diese Lichtstärke schafft, reicht aus für die Beleuchtung von nur 50 x 50 cm, wenn sie nicht weiter von der Fläche entfernt hängt wie 30 cm.